Aufenthaltsstipendium
Aufenthalts- und Arbeitsstipendium Emanzipatorische Literatur erstmals vergeben
Die Heinrich von der Haar Literaturstiftung vergibt erstmals das Aufenthalts- und Arbeitsstipendium „Emanzipatorische Literatur“. Nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens und der Auswahl durch die Jury steht die erste Stipendiatin fest: Das Stipendium geht an die Berliner Schriftstellerin Katarina von Balluseck für die Arbeit an ihrem Roman „EDDAS HAUS“.
Mit dem Stipendium verbunden ist ein Aufenthalt vom 25. Oktober bis 4. November 2026 im Haus RÜGENBLICK in Stralsund. Dort wird Katarina von Balluseck an ihrem Roman weiterarbeiten.
Im Zentrum von „EDDAS HAUS“ steht die Frage nach Sprache, Schweigen und Selbstermächtigung. In ihrer Bewerbung beschreibt die Autorin ihr Vorhaben:
„Im Zentrum des Romans steht die Frage, wie ein Mensch zu einer eigenen Sprache findet, wenn er gelernt hat, sich selbst zum Schweigen zu bringen. Dabei geht es nicht allein um Stottern, sondern um die Machtverhältnisse, die bestimmen, wer sprechen darf, wem zugehört wird und wessen Worte Bedeutung erhalten.“
Eine weitere zentrale Frage ihres Romans lautet:
„Was bedeutet Befreiung, wenn andere darüber entscheiden, wovon man sich befreien muss?“
Für von Balluseck ist das Schreiben selbst Teil dieses Emanzipationsprozesses:
„Das Schreiben von EDDAS HAUS ist für mich auch ein Prozess der Befreiung: von der Vorstellung, meine Sprache müsse bestimmten Erwartungen entsprechen, und von der Scham, die mich über viele Jahre begleitet hat.“
Die Jury würdigt insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Stottern als gesellschaftlich und literarisch bislang wenig beachteter Problematik. In ihrer Begründung hebt sie die „Emanzipation des Sprechens als Bewältigung des ‚Sprachmangels Stottern‘“ hervor – ein Thema, das zugleich eine individuelle Erfahrung mit grundsätzlichen Fragen nach Sprache, Teilhabe und gesellschaftlicher Anerkennung verbindet.
Mit dem Aufenthalts- und Arbeitsstipendium „Emanzipatorische Literatur“ möchte die Heinrich von der Haar Literaturstiftung literarische Arbeiten fördern, die sich mit Prozessen der Selbstbestimmung, Befreiung und gesellschaftlichen Emanzipation auseinandersetzen.
Wir gratulieren Katarina von Balluseck herzlich zur Auszeichnung und wünschen ihr für die Arbeit an „EDDAS HAUS“ einen anregenden und produktiven Aufenthalt in Stralsund.
Was wir unter einem emanzipatorischen Ansatz verstehen
Literatur kann Räume eröffnen, in denen Erfahrungen sichtbar, Perspektiven erweitert und Möglichkeiten jenseits von Fremdbestimmung und Begrenzung erkundet werden. Für uns zeigt sich ein emanzipatorischer Ansatz unter anderem in folgenden Aspekten:
Diskriminierung, Ausgrenzung und gesellschaftliche Zuschreibungen erkennen und hinterfragen und ihre Auswirkungen auf das eigene Leben reflektieren
Gesellschaftliche Macht-, Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse hinterfragen und Wege zu mehr Selbstbestimmung erkunden
Fremdbestimmte Rollen, Normen und Erwartungen erkennen und überwinden und eigene Lebensentwürfe entwickeln
Wege aus Armut und materieller Abhängigkeit erkunden und Möglichkeiten gesellschaftlicher und persönlicher Teilhabe eröffnen
Wege aus gewaltvollen oder missbräuchlichen Beziehungen und Abhängigkeiten erkunden und die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben sichtbar machen
Religiös begründete Unterdrückung und Kontrolle hinterfragen und Räume für persönliche Freiheit und selbstbestimmte Lebensgestaltung eröffnen
Eigene Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche wahrnehmen und ihnen Ausdruck verleihen, Scham und Selbstzweifel überwinden und Vertrauen in die eigene schöpferische Kraft entwickeln
Perspektiven wechseln und andere Erfahrungswelten erschließen, um gegenseitiges Verstehen zu ermöglichen und eigene Wahrnehmungsgrenzen zu erkennen
Übersehene, verdrängte oder zum Schweigen gebrachte Erfahrungen sichtbar und hörbar machen und neue Deutungen ermöglichen – auch mit Blick darauf, wie Gewalt und Diskriminierung über Generationen fortwirken
Vorstellungen des Möglichen erweitern, Widersprüche und Ambivalenzen zulassen und alternative Formen des Zusammenlebens und der Zukunft imaginieren
Emanzipatorische Literatur
Die Stiftung vergibt 2026 erstmals zwei Aufenthalts- und Arbeitsstipendien.
Der Aufenthalt findet im Haus RÜGENBLICK in Stralsund mit Blick auf die Ostsee statt und bietet Raum für konzentriertes literarisches Arbeiten in ruhiger Umgebung.
1. Termin: 25. 10. bis 04. 11. 2026
2. Termin: 20.03. bis 30. 03. 2027
Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Unterkunft sowie einen pauschalen Reisekostenzuschuss in Höhe von 200 €.
Über die Vergabe entscheidet eine Jury auf Grundlage einer einzureichenden Textprobe (maximal 10 Seiten) sowie eines Exposés.
Die Bewerbung ist als eine PDF-Datei per E-Mail an zu senden.
Bewerbungsschluss ist der 26. September 2026, 14:00 Uhr.
Die Ausschreibung der Aufenthalts- und Arbeitsstipendien wird jedes Jahr im August erfolgen.


Haus Rügenblick, Stralsund
eigenständiger Bungalow mit Parkplatz auf dem Grundstück
Tische zum Schreiben im Wohn-/Arbeitszimmer, Schlafzimmer und in der Küche, alle mit Seeblick
ruhige Lage am Ende einer Sackgasse
direkt am Radweg
überdachter Radständer
Einbauküche mit Spülmaschine, Ceranfeld, Eisschrank etc.
Doppelbett 2 x 2 m

Sitzecke vor dem Haus mit Seeblick
eine 2. Sitzecke befindet sich hinten zwischen Haus und Atelier
elektrische Rollläden
W-LAN
TV-Empfang, aber keine Waschmaschine
Anreise ab 15 Uhr und Abreise bis 10 Uhr
für Nichtraucher
keine Haustiere

